[Blick ins Buch] Eine kleine Leseprobe aus "Erdbeerhimmel" von Veronika Engler

Hey ihr Lieben,

zum Einstieg ins Wochenende habe ich mal eine Leseprobe aus "Erdbeerhimmel" von Veronika Engler für euch.
Es geht in die Luft ... ein Pilot, der sich in der Tür irrt und einen etwas anderen Test machen soll.
Was es damit auf sich hat, müsst ihr selbst herausfinden. Das Buch gibt es in den verschiedensten Onlineshops.

Klappentext:
Mike ist Offizier bei der U.S. Air Force, handelt geplant und strukturiert, doch dann verwechselt er eines Tages eine Tür und das Schicksal übernimmt das Kommando: Die süße Audrey stolpert in sein Leben. Die junge Frau trägt ihr Herz auf der Zunge und gerät in eine höchst peinliche Situation, die in eine heiße Begegnung umschlägt... Doch Audrey verschweigt ihm etwas Wichtiges und setzt damit das Glück aufs Spiel, denn ihr großer Vertrauensbruch ist für Mike nicht akzeptabel. Kann sie alles erklären, wird er verstehen und kann er verzeihen?



Und nun zur Leseprobe:
[...]Heute war ein merkwürdiger Tag gewesen. Zwar musste ich nicht zum Dienst erscheinen, aber die Testuntersuchung im Labor der U.S. Air Force hatte ich mir irgendwie auch anders vorgestellt. Ich war erst vor kurzem nach Washington gezogen, um hier meine neue, vorübergehende Stelle als Testpilot anzutreten. Dazu gehörte natürlich auch, dass ich mich vorab noch einmal gründlich durchchecken ließ. Allerdings kannte ich eben diese Tests bisher wesentlich ausführlicher. Aber, nun gut. Andere Länder, andere Sitten. Das galt wohl auch für verschiedene Staaten der U.S.A., denn
zuvor war ich überwiegend am Stützpunkt in Nevada stationiert gewesen.
Ich war schon von jeher Berufssoldat bei der U.S. Air Force und mittlerweile für die Testflüge der neuen Kampfjets zuständig. Und wenn die Regierung entschied, dass ich versetzt wurde, dann fügte ich mich selbstverständlich ausnahmslos. Ich hatte mich dem Staat uneingeschränkt verpflichtet und würde ihm solange wie möglich dienen. Aber der Test war nicht das Einzige, das mir heute irgendwie spanisch vorkam.
Eigentlich hatte ich der freundlichen Dame am Empfang keine tiefere Beachtung geschenkt, schließlich hatte ich andere Dinge im Kopf. Und sie redete eindeutig zu viel für meinen Geschmack. Doch dann hatte ich die quirlige Dame mit der blonden Mähne per Zufall erneut am Abend im Café wiedergesehen. Dort hatte sie sich überaus merkwürdig benommen. Erst starrte sie hemmungslos in meine Richtung und auch die weitere Zeit hatte ich immer das Gefühl, irgendwie unter Beobachtung zu stehen. Nicht zuletzt weil sie mir, seitdem ich mich zu Fuß auf den Heimweg gemacht hatte,
vermeintlich unauffällig folgte. Zunächst kam es mir so vor, als ob ich mir das alles nur
einbildete, doch schnell wurde klar, dass das alles kein Zufall sein konnte. Zumal sie nicht gerade eine sehr begabte Spionin war, wie mir schien. Da hätte man mir ebenso gut einen Elefanten hinterherjagen können, das wäre vielleicht sogar ein wenig unauffälliger gewesen. Die gesamte Situation war derart paradox, dass ich mir einfach keinen Reim darauf machen konnte. In Washington lief anscheinend so einiges neben der Spur.
Ich entschied mich, meine Verfolgerin nicht direkt zu meinem Appartement zu führen. Stattdessen schlenderte ich weiter die Straßen entlang, bis mich mein Weg in kleine, abgelegene Gassen führte. Würde sie mir auch in diese zwielichtige Gegend folgen oder endlich aufgeben? Weit gefehlt. Tapfer stapfte sie mir, schlecht getarnt hinter Mülltonnen, Mauervorsprüngen und diversem Unrat hinterher. Eine Zeit lang ließ ich sie noch gewähren, doch allmählich verlor ich ernsthaft die Geduld. Und wenn ich wütend wurde, dann war das für gewöhnlich nicht sonderlich gut für mein Gegenüber.
Ich beschoss, dem ganzen Mist ein Ende zu setzten, schlenderte weiter um die nächste Ecke und wartete, bis Madame ihren nächsten der gefühlten Hunderte von Fehlern begehen und sich blicken ließ. Drei, zwei, eins …
Als sie, wie erwartet, ebenfalls um die Ecke bog, packte ich blitzschnell zu. Binnen Sekunden und noch ehe sie wusste, wie ihr geschah, hatte sich die Jägerseite in mir aktiviert und sie in festem Griff gegen die Wand fixiert. Mit einer Hand hielt ich ihr den Mund zu, damit sie nicht auch noch laut zu schreien begann. Große, runde und überaus blaue Augen starrten mich erschrocken an. Habe ich mich in ihr und ihrem Motiv geirrt?
Beinahe hatte ich den Eindruck, die zierliche junge Frau etwas zu grob angefasst zu haben. Trotzdem würde ich im ersten Schritt auf Nummer sicher gehen. „Also gut. Du verfolgst mich. Soweit klar. Aber gibt es dafür auch einen Grund oder bist du nur eine von diesen gestörten Stalkerinnen, die gerne irgendwelchen Männern nachstellen?“ Doch sie antwortete mir nicht und starrte mich stattdessen auch weiterhin immer noch geschockt an. Allmählich verlor ich wirklich die Geduld. Aber auch ein anderes ungewohntes Gefühl machte sich in meinem Inneren breit. Obwohl ich die
offensichtliche Gefahr für sie darstellte, regte sich das tiefe Bedürfnis in mir, diese hilflose Frau zu beschützen. Geht es noch irrer? Anscheinend tat mir das Klima in dieser Stadt alles andere als gut. Jedenfalls nicht, was meinen Verstand angeht, dachte ich verwirrt. Von mir selbst erschrocken, ließ ich Blondie ruckartig los. Doch sie lief nicht davon. Stattdessen sackte sie zu Boden. Verdammt! Ich war wohl wirklich zu hart rangegangen. Wenn sie nicht gleich den Mund aufmachte, würde ich womöglich noch aus der Haut fahren. In meiner Verzweiflung ging ich vor ihr auf und ab, bis ich mich schließlich entschied, dass meine Erscheinung vielleicht weniger beängstigend auf sie wirken
würde, wenn ich mich zu ihr auf den Boden gesellte. Daher machte ich etwas, was absolut nicht meinem Naturell entsprach: Ich setzte mich neben Blondie auf den Boden und lehnte mich an die Wand. Stranger kann es beim besten Willen ohnehin nicht mehr werden. Daher versuchte ich letztmalig, etwas aus ihr herauszubekommen.
„Verflucht nochmal. Willst du wohl endlich reden und mir sagen, warum du mir die ganze Zeit über hinterherläufst?“ Endlich schien ich in ihre Gedanken durchzudringen, denn ich spürte, wie sie neben mir nervös wurde.
„Das hast du bemerkt?“ Wie bitte? Ernsthaft?
„Wie könnte ich nicht. Ich glaube, eine Dampfwalze wäre leiser und unauffälliger als du.“
„Schönen Dank auch!“ War sie jetzt etwa auch noch beleidigt darüber, dass ich sie bei ihrer kleinen Verfolgungsjagd erwischt hatte? Ich beschloss, ihren Anflug von Zickerei zu übergehen und konfrontierte sie nochmals mit der Frage, deren Antwort mich als Einziges interessierte: „Was willst du von mir?“ Wieder diese großen Augen, die mich unverhohlen anstarrten und mir scheinbar direkt in mein Innerstes zu blicken schienen.
„Das kann ich dir nicht sagen“, flüsterte sie beschämt. „Noch nicht. Aber ich schwöre dir. Ich habe nichts Böses im Sinn.“ Wie süß. Glaubte sie etwa, ich würde mich vor einer ein Meter fünfzig kleinen, penetranten Nervensäge fürchten?
„Alles klar. Doch ich wäre wirklich sehr dafür, dass du es in Zukunft sein lässt, mir auf die Nerven zu gehen.“ „Das kann ich nicht. Noch nicht. Erst, wenn ich mehr über dich weiß.“ Sie gab es auch noch offen zu? War ich denn im falschen Film gelandet und das alles ein weiterer Test?
Allmählich hielt ich nichts mehr für abwegig. „Was genau willst du denn wissen? Ich meine, nicht, dass ich es dir sagen werde“, stellte ich schnell die Sache klar. Plötzlich sprang sie auf, ohne mir eine meiner Fragen wirklich beantwortet zu haben. Sollte ich es nun dabei belassen oder dem Ganzen doch noch weiter auf den Grund gehen? Eigentlich sollten mir die wirren Gedanken der kleinen
Dame scheißegal sein. Doch aus irgendeinem Grund drängte es mich, ihr Motiv herauszufinden.
„Ich muss jetzt gehen. Ich hoffe, dass sich alles noch aufklärt.“ Damit wandte sie sich zum Gehen und ließ mich völlig perplex hier sitzen. Auf die Schnelle fiel mir nur eine dämliche Idee ein, um den Kontakt nicht gänzlich abreißen zu lassen. „Morgen Nachmittag um sechzehn Uhr am vorderen Ende des Brunnens vor dem Washington Monument. Wir sehen uns.“ Ihr knappes Nicken bestätigte, dass sie meine indirekte Einladung verstanden hatte. Dann lief sie fort. Fort aus der kleinen Gasse und
hinaus aus meinem auf einmal so merkwürdigen Leben. Ohne dass ich den Namen meiner Verfolgerin erfuhr...[...]

Und nun ab ins Wochenende.

Eure Beate

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