Dienstag, 14. April 2015

[Blogtour] Blogtour "Geflüsterte Lügen von Lina Jacobs - Medikamentenmissbrauch, illegale Forschung und ihre Folgen



In den letzten Tagen habt ihr schon sehr viel über diese Blogtour "Geflüsterte Lügen" erfahren. Gestern gab es ein tolles Autoreninterview bei Bianca


 Heute werde ich euch etwas über Medikamentenmissbrauch, illegale Forschung und ihre Folgen berichten.

In "Geflüsterte Lügen" ist dieses Thema der Schwerpunkt. Illegaler Medikamentenmissbrauch bei alten Menschen, die sich nicht wehren können und auf grausame Art sterben.


Der Schweizer Psychiater Roland Kuhn gilt als der Entdecker des ersten Antidepressivums. Dafür wurde er vielfach von der Fachwelt geehrt. Kuhn wurde mit den Ehrendoktoraten der Medizin der Universität Basel und der Université catholique de Louvain sowie dem Ehrendoktorat der Philosophie der Universität Sorbonne ausgezeichnet. 1993 ernannte die ehemalige Gemeinde Scherzingen Roland Kuhn zu ihrem Ehrenbürger.

Wie jetzt bekannt wurde, missbrauchte er bei seinen zweifelhaften Forschungen unschuldige Kinder für illegale Medikamentenversuche
Von 1950 bis in die Mitte der 60er Jahre führte er in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen an über 1600 ahnungslosen Probanden Klinische Psychopharmaka-Tests ohne deren Einwilligung durch. Todesfälle wurden nie untersucht. Die Überlebenden leiden bis heute unter den Folgen.


Kuhn führte an über 1600 Patienten klinische Tests durch, unter ethisch fragwürdigen und wissenschaftlich zweifelhaften Bedingungen. Als «Krankengut» dienten die Patienten der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. In den Akten finden sich keine Belege, dass sie über die Tests informiert wurden.

Im Bild waren dagegen Behörden, Ärzte anderer Kliniken und die Pharmaindustrie in Basel. Niemand aber interessierte sich für das Schicksal der Patienten, die oft unter Nebenwirkungen litten. Viele mussten sich übergeben, zitterten am ganzen Körper, hatten unkontrollierte Anfälle. Zwei Dutzend Patienten verstarben während oder unmittelbar nach den Tests. Die Ursache der Todesfälle wurde nicht untersucht.

Auch Walter Nowak leidet bis heute ­unter Angstzuständen und wusste lange nicht, warum. Vor einigen Jahren träumte er erstmals, wie er ans Bett gebunden, mit Medikamenten ruhiggestellt und dann missbraucht wird. Seither ist die Erinnerung wieder da. Aber niemand glaubte ihm. Erst als er sich Einsicht in Akten erkämpft, wird ihm klar: Die Träume zeigen die Wahrheit.



Pharmakonzern zahlt Millionenentschädigung für illegale Menschenversuche

Immer wieder kommen Fälle ans Licht der Öffentlichkeit, bei denen unerlaubt Medikamente an Menschen getestet wurden. Auch die Langzeitnebenwirkungen bei der uns bevorstehenden Schweinegrippe-Impfung sind nicht bekannt. Rein theoretisch könnten jedoch über 3.000 Menschen an schweren Nebenwirkungen erkranken.

Pharma-Riese Pfizer hat sich dazu bereit erklärt, 75 Millionen Dollar zur Beilegung einer Sammelklage nigerianischer Eltern zu zahlen. Der Konzern hatte 200 Kinder als Versuchskaninchen für illegale Medikamentenexperimente missbraucht. Das berichtete unlängst der englische Independent.

Schwere Nebenwirkungen
Der Fall begann im Jahre 1996, als Pfizer menschliche Testpersonen benötigte, um eine Genehmigung für ein neues Antibiotikum mit dem Namen Trovan von den Behörden zu erhalten.

Als eine Epidemie von Meningitis, Cholera und Masern in Kano ausbrach, flog ein Forschungsteam des Unternehmens nach Nigeria. Pfizer stellte sein Zelt in der Nähe der medizinischen Station der Organisation Ärzte ohne Grenzen auf und rekrutierte 200 Kinder zur Teilnahme an einem illegalen Medikamententest mit ungeprüften Arzneimitteln.

Die Eltern sagten, ihnen wurde nicht mitgeteilt, dass ihre Kinder als Versuchskaninchen für ein neues Antibiotikum missbraucht wurden, das bei tierexperimentellen Studien zu Schäden, insbesondere an der Leber, geführt hatte.
Elf der Kinder, die an dem Test teilgenommen hatten, starben. Die Eltern behaupteten, dass sie an Hirnschäden, Organversagen und anderen schweren Nebenwirkungen gelitten hätten.
Der Fall kam ans Tageslicht, als der Pfizer-Forscher Juan Waterspiel an den Geschäftsführer des Pharmaunternehmens schrieb und den Test als »Verstoß gegen ethische Regeln« anprangerte. »Einige der Kinder sind in einem kritischem Zustand und die meisten von ihnen unterernährt«, so Waterspiel weiter. »Mindestens ein Kind starb nach einer einzigen oralen Dosis.«
Die nigerianische Regierung reichte eine Sammelklage gegen Pfizer ein. Das Unternehmen muss außerdem eine Strafverfolgung in Nigeria fürchten, weil ein Gericht Haftbefehle für mehrere Führungskräfte erlassen hatte, nachdem diese nicht zum Prozess erschienen waren.





"Die Pharmaindustrie ist schlimmer als die Mafia"


Medikamente sollen uns ein langes, gesundes Leben bescheren. Doch die Pharmaindustrie bringt mehr Menschen um als die Mafia, sagt der dänische Mediziner Peter C. Gøtzsche - und fordert für die Branche eine Revolution.

Interview zwischen Süddeutsche Zeitung und dem dänischen Mediziner Peter C. Gotzsche

SZ: Sie werfen den Unternehmen vor, dass sie Mittel auf den Markt gedrückt haben, obwohl sie schädlich und für viele Patienten sogar tödlich waren.
Peter C. Gotzsche: Dafür gibt es etliche Beispiele. Die Pharmaunternehmen sind deshalb sogar schlimmer als die Mafia. Sie bringen viel mehr Menschen um.

SZ: Können Sie Beispiele nennen?
Peter C. Gotzsche: Etwa Schmerzmittel wie Vioxx, von denen bekannt war, dass sie ein Herzinfarktrisiko darstellen und zum Tod führen können. Vioxx kam ohne ausreichende klinische Dokumentation auf den Markt, weshalb Merck vor Gericht stand und 2011 immerhin 950 Millionen
Dollar zahlen musste.
Bevor es vom Markt genommen wurde, wurde das Mittel bei Rückenschmerzen eingesetzt, bei Tennisarm, bei allen möglichen Leiden. Vielen Patienten wäre es aber schon mit Paracetamol oder auch ganz ohne Medikamente wieder gutgegangen - und jetzt sind sie tot. Das ist eine Tragödie.

SZ: Wissenschaftler der Food and Drug Administration (FDA), also der US-Zulassungsbehörde, haben geschätzt, in den USA könnte Vioxx bis zu 56 000 Patienten getötet haben . . .
Peter C. Gotzsche: Mit dem Mittel wurden mehr als 80 Millionen Menschen in mehr als 80 Ländern behandelt. Meinen Schätzungen zufolge sind es deshalb etwa 120 000 Todesopfer weltweit gewesen. Und Celebrex von Pfizer, das mit Vioxx vergleichbar ist, wurde dem Unternehmen zufolge bis 2004 weltweit 50 Millionen Menschen verabreicht. Es dürfte bis zu diesem Jahr also etwa 75 000 Patienten getötet haben. Das Mittel wird für einige Krankheiten noch immer verschrieben. Obwohl Pfizer Millionen Dollar zahlen musste, weil sie Studienergebnisse zur Sicherheit des Mittels falsch dargestellt hatten.
Andere Beispiele für Mittel, die so auf den Markt gedrückt wurden, sind Schlankheitspillen wie Redux und Pondimin, das Epilepsie-Medikament Neurontin, das Antibiotikum Ketek oder das Diabetesmittel Avandia.


Gewinnspiel


Wir verlosen unter allen, die folgende Aufgabe erfüllen das "Printbuch mit einem Block und Lesezeichen":
Auf allen teilnehmenden Blogs werden drei unterschiedliche Bilder (Rollstuhlfahrer, Spritze und Pillen) in verschiedener Anzahl und Größe versteckt. Wir machen also eine kleine "Bilder (Osterei) - Suche" mit euch.
Am Ende schickt ihr bitte die Anzahl der geposteten Bilder je nach Abbildung an: bh_blogtouren@web.de

Was haltet ihr von Versuchen mit illegalen Medikamente?



Unter allen, die während der Blogtour auf den teilnehmenden Blogs kommentieren, werden außerdem noch 3x ein "e-book mit Block und Lesezeichen" und 1x nur " Block und Lesezeichen"verlost.
So habt ihr mehrere Möglichkeiten, etwas zu gewinnen! Viel Glück!

Mitmachen könnt ihr bis zum 14.04.2015 um 23:59 Uhr.

Die Gewinner werden in den darauf folgenden Tagen ausgelost und per Mail benachrichtigt.

Gewinnspielbedingungen:
Teilnahme ab 18 Jahren.
Keine Barauszahlung des Gewinns.
Kein Ersatz beim Verlust auf dem Postweg.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Persönliche Daten werden nur für das Gewinnspiel verwendet.
Gewinn nur möglich mit Postanschrift in Deutschland.

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    ja es ist schon schlimm das viele Leute nur noch ihre Hoffnungen in Pillen und Pulver sehen!!

    Und klar wird dieser Trend von der Pharmaindustrie gerne aufgenommen. Ohne Rücksicht auf Verluste...siehe Contagan....

    LG..Karin...

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Hallo :)

    Ich bin ganz klar gegen illegale Forschung, das geht überhaupt nicht. Allerdings kann ich mit dem Herrn Gotzsche auch nicht ganz übereinstimmen. Ich bin zwar auch der Überzeugung, dass man Medikamente, die nicht ausreichend erforscht sind, auf keinen Fall auf den Markt bringen darf. Doch das jetzt auf Grund von Einzelfällen zu verallgemeinern und zu sagen, dass die gesamte Pharmaindustrie so ist, das finde ich überzogen.
    Dieser Herr ist selbst Mediziner und müsste wissen, dass nicht alles schlecht ist, doch so wie er sich ausdrückt kommt das so rüber.
    So kann man den Menschen auch Angst machen und wenn sie dann mal wirklich ein wichtiges Medikament benötigen, dann überlegen sie sich lieber Alternativen, auf Grund ihrer Angst und bekommen deshalb vielleicht noch größere Probleme.

    Es gibt ja genug Menschen, die jedes Medikament verteufeln aufgrund der Nebenwirkungen.
    Klar ist: Jedes Medikament hat Nebenwirkungen und auch Pflanzen können die haben, man muss es mit der Schwarzseherei auch nicht übertreiben.
    Die Unternehmen müssen jede noch so kleine Nebenwirkung aufschreiben, einfach weil sie auf Unsummen verklagt werden, wenn sie das nicht tun.
    Dass da manchmal nur 1 von 1000 eine Beschwerde zeigte, das sehen viele Verbrauchen nicht.
    Fakt ist, wir können über viele Medikamente froh sein, die es in der heutigen Zeit gibt.
    Ich denke nur, dass man nicht bei jedem klitzekleinen Mimimi zu Tabletten greifen muss.

    Ich habe fertig ;)
    Sorry, ich bin ein wenig abgeschweift, das Thema ist seit meiner Ausbildung immer ein wenig ... heikel. (Ich bin PTA und habe da ja wirklich viele Medikamente kennengelernt und natürlich auch viel über die Wirkungsweisen im Körper gelernt und dadurch auch über Nebenwirkungen etc.)

    Ich bedanke mich jedenfalls bei dir, liebe Beate, für den Beitrag.

    LG Nicole

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  4. Hallo,

    ich finde es falsch das illegale Medikamente an Menschen ohne ihr Wissen getestet werden. Die Zahl der Menschen die daran gestorben oder Folgeschäden davon getragen haben finde ich erschreckend.

    LG
    SaBine

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  6. Wow... Das ist echt heftig. Ich hab davon vorher ehrlich gesagt nie was mitbekommen und bin echt entsetzt. Natürlich sind Medikamente wichtig und ohne sie würden viele viele Menschen an relativ harmlosen verletzungen oder Erkrankungen sterben können. Aber Menschen dafür ohne ihrers wissens zu Missbrauchen ist schon echt heftig. Schon Tierversuche find ich grausam, wobei sie solche ja oft nur deswegen gibt.

    Glg Lina (gerade echt geschockt)

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  7. Hallo,

    danke für den sehr interessanten Bericht. Es schon erschreckend zu lesen wie skrupellos die Unternehmen sein können. ich finde das eine große Schweinerei. Versuche müssen sein - ohne geht es leider nicht - aber dann sollte man dem auch zustimmen. Ich hoffe, dass Konzerne bei der erwischung von sowas aus ihrer Strafe lernen und es nie wieder machen.

    Lg Bonnie

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  8. Schönen Guten Abend :)

    Der Bericht war sehr interessant, vielen Dank dafür! Sehr erschreckend, was alles getan wird...
    An unwissenden Menschen illegale Medikamente zu testen ist definitiv nicht richtig und sollte gefahndet werden!

    Ganz liebe Grüße
    Katharina

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