[virtuelle Couch] Im Gespräch mit Manfred Lukaschewski


Hallo ihr Lieben,

heute habe ich mal wieder einen Gast auf meiner virtuellen Couch, der ein wirklich sehr interessantes Sachbuch geschrieben hat. Er heißt Manfred Lukaschewski und wird mit mir heute über sein Buch "Kompendium der Kriminalistik" plaudern. Viel Vergnügen.

Hallo Manfred, 

schön, dass du dir Zeit genommen hast, mit mir über deine Buchreihe „Kompendium der Kriminalistik“ zu plaudern. Bevor wir haben darüber reden, würde ich gerne einiges über dich erfahren. 
Ich denke, dass viele Leser bisher meist nur Krimis oder Thriller gelesen haben und sich noch nie wirklich mit den Begriffen, die dieses Genre betrifft, nähere Gedanken gemacht haben. 


Stell dich doch einfach mal vor
Nun, vielleicht einige Worte zu meiner Person. Ich bin Jahrgang 1951 und in einem kleinen Ort in der Altmark geboren, verbrachte allerdings meine Kindheit überwiegend in Berlin. Dahin zogs mich dann später auch wieder zurück. 1970 habe ich mein Abitur gemacht und danach in Rostock Physik studiert. Nach dem Diplom 1974 fing ich in Berlin bei der Kriminalpolizei als Ballistiker in einer Mordkommission an zu arbeiten. 1979 hatte ich dann nochmals die Möglichkeit, an der Humboldt-Uni Kriminalistik zu studieren und das Thema meiner Diplomarbeit im Rahmen einer Dissertation fortzuführen. Im Mai 1984 habe ich dann promoviert und habe kurz darauf die Leitung einer Mordkommission übernommen. Nach der Wende wurde diese Kommission aufgelöst (in der Bundesrepublik gibt es keine ständigen Morduntersuchungskommissionen) und ich war danach viele Jahre auf einem Großflughafen in Norddeutschland in der Luftsicherheit tätig. Jetzt bin ich im „Ruhestand“ und habe natürlich vielfältige Aufgaben, unter anderem auch das Schreiben.

Wie entstand denn eigentlich die Idee für dieses Fachbuch? Bisher hatte auch ich nur Thriller gelesen und fand deine Bände hochinteressant. 
Da muss ich ein wenig ausholen. Die akademische Ausbildung in der Wissenschaft -Kriminalistik-
wurde in Deutschland 1994 eingestellt, als einzigem hochentwickelten Industrieland übrigens. Durch viele Kontakte zu ehemaligen Kollegen, zu den Institutsdirektoren der Gerichtsmedizin und zu den Fachhochschulen der Polizei wurde immer deutlicher, dass das fachliche Fundament der Absolventen dieser Schulen von Studienjahr zu Studienjahr nachlässt. Es lag also nahe, den Studierenden ein Lehrmaterial in die Hand zu geben, damit zumindest ein Grundfundament erhalten bleiben kann. So begann aus dieser Motivation heraus meine Arbeit am ersten Band des Kompendiums. Viele Gespräche an den Hochschulen, beim Bundeskriminalamt, in den gerichtsmedizinischen Instituten folgten, viele tausend Kilometer quer durch die Republik waren notwendig, bis der erste Band druckreif (hat insgesamt ca. drei Jahre in Anspruch genommen) war. Die Suche nach einem geeigneten Verlag kostete dann nochmals viel Kraft. (Leider ist dieser Verlag nicht mehr am Markt, mir ist es allerdings relativ schnell gelungen, einen würdigen Nachfolgeverlag zu finden). Schnell stellte sich heraus, dass die Absolventen der Fachhochschulen nicht in der Lage sind, die komplexen Vorgänge der Bearbeitung von Gewaltverbrechen hinreichend zu beherrschen. Die Arbeit an Leichen stellt besondere Anforderungen, zumal die gerichtsmedizinische Ausbildung nur noch angerissen wird und nur noch eine theoretische Behandlung erfährt. Es fehlt jeglicher praktische Bezug. Der zweite Band war eine Notwendigkeit. Wieder folgten die entsprechenden Gespräche, hauptsächlich mit den Direktoren der Gerichtsmedizin. Viele von diesen Kontakten bestanden noch aus meiner aktiven Zeit in der MUK.


Durftest du selbst mal in einer Pathologie sein und dir ein genaues Bild über den Tod eines Menschen machen? 
Als leitender Mitarbeiter einer Mordkommission kommt man nicht drumrum, ich war häufig dabei, habe deswegen ein genaues Bild von den Abläufen einer derartigen Prozedur. Außerdem gehört eine umfangreiche gerichtsmedizinische Ausbildung zum Studieninhalt und im Rahmen dieser Ausbildung ist der Besuch im Sektionssaal obligatorisch. Meine Dissertation zum Thema: „Sicherung von daktyloskopischen Spuren an Leichen“ (verkürztes Thema) machte den Besuch im gerichtsmedizinischen Institut schlichtweg notwendig, zumal mein Doktorvater der weltberühmte Gerichtsmediziner Prof. Dr. Otto Prokop war.

Hast du nicht mal darüber nachgedacht selbst einen Thriller oder Krimi zu schreiben?
Das kann ich leicht mit -Nein- beantworten. Das überlasse ich den Profis, zumal ich dann dazu neigen würde, die Arbeit z.B. am Tatort genau zu beschreiben, und das wird dann schnell langweilig. Ich lese auch kaum Literatur aus diesem Genre, schaue auch keine Krimi´s … es wird mir zu viel geschludert, zu ungenau beschrieben und bisweilen auch falsch gehandelt.

Hast du denn einen festen Arbeitsplatz zum Schreiben?
Mein Arbeitsplatz ist zunächst mein Kopf, da reift der Gedanke, formt sich das Grundkonzept und bilden sich die ersten Schwerpunkte heraus. Dann folgt die Fixierung eines grundsätzlichen roten Fadens. Dazu sitze ich dann in meiner kleinen Bibliothek (5000 Bände) am Schreibtisch, verfluche den Computer, weil er nicht so will, wie ich, telefoniere viel, mache Termine und bin dankbar, dass meine Frau mich machen lässt. Sie ist dann später meine erste Redakteurin und meine schlimmste Kritikerin. Wir sind ein gutes Team!

Ich hab mir lange das Cover deines Taschenbuches angeschaut. Durftest du das selbst auswählen oder hat das der Verlag getan?
Auch bei der Auswahl des Covers ist meine Frau eine wesentliche Stimme. Vom Verlag werden Vorschläge gemacht, ich mache Vorschläge, dann wird diskutiert und sich in der Regel schnell geeinigt. Ich habe ein aktuelles Manuskript beim Verlag vorgelegt (ein Thema aus dem Bereich -Geschichte- mit dem Arbeitstitel „Spaziergang durch 7000 Jahre Weltgeschichte“), da sind wir bezüglich des Covers noch am Grübeln.

Nun noch eine letzte Frage. Was werde ich in Zukunft von dir lesen dürfen? Gibt es ein Buch, an dem du schon arbeitest?
Im Moment bin ich dabei, einen dritten Band zu verfassen, der sich mit den genauen Abläufen einer Bearbeitung von Tötungsdelikten befassen wird. Ein Schwerpunkt ist das Herausarbeiten der Komplexität einer akribischen Spurensuche, -sicherung und -auswertung. Es scheint mit unerlässlich, dass das kriminalistische Denken wieder in den Mittelpunkt gerückt werden muss. Kriminalistik ist ein Komplex von Teilwissenschaften (Rechts-, Natur- und Sozialwissenschaften, medizinische und psychlogische Aspekte) und kann nicht in einem Semester abgehandelt werden.
Als willkommener Nebeneffekt: Es gibt viele interessierte „Laien“, die sich gern in diese Materie einlesen, auch Autoren von Kriminalromanen greifen gern darauf zurück.

So lieber Manfred, ich danke dir für deine interessanten und informativen Antworten. 
Ich wünsche dir für die Zukunft noch sehr viel Erfolg. 


Ihr Lieben, ich hoffe doch, dass euch dieses Interview gefallen hat und ihr jetzt neugierig geworden seid.
Ich habe euch mal einige Link zum Autor und zu den Büchern aufgelistet, damit ihr direkt stöbern könnt.
Viel Spaß.
Eure Beate

Kompendium der Kriminalistik Band 1
Kompendium der Kriminalistik Band 2
Manfred Lukaschewski - epubli 
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